Im Rahmen unserer Kampagne „schlauer statt rechts" waren die BetreuerInnen von anders reisen am 26.03.2008 im Cinemaxx in Essen im Film „Die Welle".
Man kann sich noch gut daran erinnern: Damals, so in der 8. oder 9. Klasse war Morton Rhues „Die Welle" einer der Schullektürenklassiker schlechthin und hat für viel Begeisterung und Diskussionsstoff gesorgt - die Geschichte eines amerikanischen Lehrers, der mit seiner Klasse ein Experiment durchführte, bei dem der Autoritätsgehorsam durch Einschränkungen, klare Machtstrukturen und strikte Vorgaben aktiv an den Schülern angewandt wurde und zu einem verblüffenden wie erschreckendem Ergebnis führte. Faschistoide Züge als Eigenversuch quasi. Und darüber hinaus eine Geschichte, die keine fiktive ist, da sie sich tatsächlich so oder ähnlich in den 60er Jahren an einer Highschool im kalifornischen Palo Alto zugetragen hat. Mit dem Regisseur Dennis Gansel wird „Die Welle" nun nach einer amerikanischen Verfilmung aus dem Jahre 1981 ein zweites Mal für die Leinwand adaptiert. Dabei ist das Geschehen sinngemäß ins heutige Deutschland und an ein normales Berliner Gymnasium verlegt. Herausgekommen ist ein straff und modern inszenierter Film, der zu großen Teilen wirklich gut funktioniert, sofern man bereit ist, einige dramaturgische Vereinfachungen zu akzeptieren, die sich jedoch für die volle Wirkung auf filmischer Ebene als durchaus sinnvoll erweisen.
Der eigenwillige Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) versucht während einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen" seinen Schülern den Begriff der Autokratie näher zu bringen. Wo man sich zunächst noch mit Begriffen wie „Disziplin" und „Gemeinschaft" auseinandersetzt, stößt Wenger während der Diskussion schnell auf die einhellige Meinung, dass es eine Form der Diktatur wie die während des Nationalsozialismus heute nicht mehr geben könnte, schließlich lebe man ja in einer Demokratie. „Nazideutschland? - Das ist nicht mehr!" Diese Einstellung bringt ihn auf die Idee, mit seiner Klasse ein Experiment zu wagen und ernennt sich selbst zu ihrer Leitfigur, um fortan mit Slogans wie „Macht durch Disziplin" neue Regeln und Vorgaben während des Unterrichts aufzustellen. Was zunächst noch harmlos beginnt und nach anfänglicher Skepsis schnell bei den meisten Schülern wahre Begeisterungsstürme ob der neu gewonnenen Bewegung mit dem Namen „Die Welle" auslöst, entwickelt diese schnell eine gefährliche Eigendynamik, die Andersdenkende ausschließt und im Laufe der Woche den Weg für gewalttätige Aktionen auch außerhalb der Schule ebnet. Der von Wenger pädagogisch angelegte Versuch gerät zunehmend außer Kontrolle, und er erkennt trotz Warnung seiner Frau Anke (Christiane Paul) zu spät, dass er etwas ins Rollen gebracht hat, was auch nur er wieder stoppen kann. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist.
Man kann „Die Welle" als durchaus gelungen bezeichnen, auch in Hinblick auf die Zielgruppe und ihrer aktuellen Referenzen in Bild und Ton (der Soundtrack wird sicher einige Abnehmer finden). Die Story ist stimmig, und vor allem in ihrer Konsequenz, die bis zum Schluss durchgehalten wird - ein erschütternder Beweis dafür, wo gleichgeschaltete Gruppierungen in ihrem Fanatismus hingeführt werden können, ganz gleich, ob es sich dabei um ganze Länder oder eben „nur" um Schulklassen handelt. Sehenswert.